Von magischen Pflanzen und mutigen Helden
Am Donnerstag, den 26.2.2026, war Margit Ruile zu Gast am Karl-Ritter-von-Frisch Gymnasium. In zwei Lesungen stellte sie den insgesamt 142 Fünftklässlern den ersten Band ihrer zweiteiligen fantastischen Abenteuerroman-Reihe „Nelumbiya“ vor. Gleich zu Beginn holte die Autorin die Zehn- und Elfjährigen in ihrer Lebenswelt ab. Sie erkundigte sich nach Lieblings- und Kletterbäumen der Kinder und sofort wurden Erlebnisse mit Ahorn-, Linden- und Apfelbäumen in heimischen Gärten ausgetauscht. Genau hier knüpfte Frau Ruile an und stellte den sprechenden Baum Quercus vor, mit dem ihre Geschichte „Nelumbiya“ beginnt. Ein Schüler präsentierte die Illustration des uralten Eichenbaums und es wurden Mutmaßungen angestellt, wie der Baum wohl sprechen könne. Anschließend lud die Autorin zu einem Experiment ein, damit sich die Schüler die besondere Art und Weise des Sprechens vorstellen konnten: „Ich bin der Wind und ihr seid die Blätter“. Die erste Passage aus dem Romananfang wurde gelesen und die Fünftklässler direkt mit einbezogen. Sie schlüpften in die Rolle der raschelnden Blätter und eine magische Stimmung entstand, als die ganze Gruppe auf ein Windgeräusch von Frau Ruile gemeinsam, ganz leise, an den entsprechenden Stellen „Tameran! Wach auf! Es ist Zeit! Die Nacht ist vorbei! Lange vorbei!“ wisperten und den berühmten alten Pflanzenmagier so weckten. Schließlich durften die Kinder durch Pusten dem kleinen Löwenzahn Dandelion Starthilfe geben, der sich, verwandelt in Pusteblumenschirmchen, hoch durch die Lüfte auf seine abenteuerliche Reise in Richtung der Menschenstadt Ornata machte. Als Bote von Quercus und Tameran beauftragt, soll er dort die Pfeilträgerin Tara ausfindig machen und nach Nelumbiya bringen, da sie in großer Gefahr ist.
Nach diesem ersten Leseblock betrachteten die Zehn- und Elfjährigen gemeinsam eine detaillierte Weltkarte des Romans und erkannten im Austausch mit Frau Ruile, dass die beiden Länder Nelumbiya und Ornata unterschiedlicher nicht sein könnten: Das Land der Pflanzen, mit dem riesigen alten Buchenbaum Fagus als Quelle aller Magie steht dem trockenen, kargen Land der Menschen gegenüber, in dem Bäume als gefährlich gelten und kein Platz für wilde Pflanzen ist, die einst die Menschen nach Ornata vertrieben haben sollen. In der nächsten Lesepassage erfuhren die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer, dass der kleine Löwenzahnbote Dandelion kurz nach Ankunft in Ornata in einer Glasflasche gefangen genommen wurde, wie es für wild wachsende Pflanzen dort üblich war. Der Ausgang der Rettungsmission blieb also an dieser Stelle ungewiss.
Freiwillige Schülerinnen und Schüler durften nun die vom Romanillustrator Helge Vogt ansprechend gezeichneten drei Helden der Geschichte auf großen Karten zeigen: Der Bäckerjunge Semur, die Fürstentochter Helena und das Waisenkind Tara. Gemeinsam seien allen drei Helden geheimnisvolle Zeichen am Körper, die in der Menschenstadt verborgen gehalten werden müssten. Als Pflanzenmenschen verstünden sie die Sprache der Pflanzen, könnten sich als Zeichenträger jeweils mit einer Pflanze verbinden und würden so die magische Kraft dieser Pflanze erhalten, erläuterte die Autorin. Gleich wurden die Fünftklässler gefragt, wie ihr eigenes Zeichen aussehen würde und mit welcher Pflanze sie sich gerne verbinden würden. Es folgten weitere Ausschnitte aus dem Romananfang, die Lust zum Weiterlesen machten:Tara und Semur versuchen, den in Fürst Hadrians Schloss gefangenen Dandelion zu befreien und finden in der Fürstentochter Helena eine Verbündete. Gemeinsam dringen sie heimlich bis in das „gläserne Herbarium“ vor. Dort sehen sie eine große Sammlung von Glasgefäßen, in denen sich vermeintlich gefährliche Wildpflanzen aus dem verbotenen Land Nelumbiya befinden. Schließlich werden die drei Helden Zeugen eines Gesprächs zwischen Fürst Hadrian und dem finsteren Herrscher Askiel und erfahren, dass dieser alle Pflanzenmenschen mit Zeichen in Ornata suchen lässt. Den weiteren Verlauf des Abenteuers lies Frau Ruile an dieser Stelle offen und weckte einmal mehr die Leselust der Fünftklässler: Wird es Tara, Semur und Helena gelingen, nach Nelumbiya zu fliehen und die Welt der Pflanzen wieder mit der Welt der Menschen zu versöhnen?
Am Ende beantwortete die Autorin noch ausführlich die vorbereiteten Fragen der Zehn- und Elfjährigen. Sie erfuhren, dass „Nelumbiya“ ursprünglich als Filmprojekt geplant war und bereits die Entwicklung der Weltkarte und ihrer Zusammenhänge ungefähr ein Jahr in Anspruch nahm. Schriftstellerisch tätig war Frau Ruile schon zu Schulzeiten. Als Schülerin verfasste sie unter anderem eine Internatsgeschichte. Das handgeschriebene Heftchen brachte sie zur Ansicht mit. Im Alter von 40 Jahren veröffentlichte die gebürtige Augsburgerin, die zunächst an der Hochschule für Fernsehen und Film studierte und dort später auch dozierte, ihr erstes Buch und ist seither hauptberuflich als Kinder- und Jugendbuchautorin in München tätig. Als Schriftstellerin gefällt es ihr besonders gut, Welten zu erfinden, die es vorher noch nicht gab und diese dann in ihren Büchern und Lesungen einem Publikum zugänglich zu machen. Das Schreiben von Geschichten vergleicht die Autorin mit einem Schneeball: Erst sei er ganz klein, dann forme sich das Ganze langsam. Generell sei die Schriftstellerei ganz schön mühsam: „Stellt euch vor, ihr müsst jeden Tag einen Aufsatz schreiben“. Die Kinder erkennen sofort Parallelen zu ihrem Deutschunterricht, in dem das Erfinden und Überarbeiten von Geschichten ebenfalls viel Geduld und Kreativität verlangt. Neben fantastischen Geschichten schreibt Ruile auch Science Fiction und behandelt Themen wie Überwachung und KI (z.B. „Dark Noise“). Aktuell arbeitet die Autorin an ihrem 11. Buch und auch für einen dritten Band von „Nelumbiya“ hätte sie Ideen. Abschließend konnten sich die Fünftklässler noch Autogrammkarten signieren lassen. Das Angebot einer Sammelbestellung von „Nelumbiya“ nahmen viele lesefreudige Kinder dankend an und freuen sich auf ein Paket von Frau Ruile mit persönlich gewidmeten Exemplaren. Die Veranstaltung wurde von Bayern liest e. V. unterstützt.





